Wie Zoll-Rückerstattung funktioniert und ich meine Reisegarderobe businesstauglich mache

Zoll-Rückerstattung Erstattung Einfuhrumsatzsteuer Zollgebühren Dominik Sommerer Dominiks Welt

„50 Euro? Das ist ganz schön teuer!“, denke ich mir, als der Postbote an der Tür steht. Ich reiche ihm einen 50-Euro-Schein, er druckt mir auf seinem Handcomputer eine Quittung aus und übergibt mir den großen Briefumschlag von Makers&Riders aus den USA. Das muss meine neue Hose aus Merinowolle sein. Na hoffentlich passt sie auch. Immerhin hat die Hose schon ohne Zollgebühren umgerechnet 150,24 Euro inkl. Versand gekostet.

Business-Upgrade für Reisegarderobe

Ich bin derzeit dabei, meine Reisegarderobe umzugestalten. Sie besteht aus 23 flexibel kombinierbaren und schnell trocknenden Bekleidungsteilen und ist tauglich für alle vier Jahreszeiten. Das leichte modulare Bekleidungskonzept hatte ich im Jahr 2013 für meine Weltreise entwickelt. Da ich aufgrund meiner Selbstständigkeit häufig beruflich unterwegs bin, soll meine Garderobe sozusagen ein „Business-Upgrade“ erhalten.

Ich brauche bei meinen Kunden in der Regel nicht mit Anzug und Krawatte erscheinen. Aber ein Hemd und eine ordentliche Hose möchte ich schon tragen. Bisher habe ich dazu auf eine Jeans und ein weißes Trekkinghemd zurückgegriffen. Mit dieser Lösung bin ich nicht mehr zufrieden: Die Jeans ziehe ich privat fast nie an, weil sie mir zu schwer, zu unbequem und beim trocknen zu langsam ist. Die Trekkinghose dagegen sieht zu outdoormäßig aus. Da das Trekkinghemd ebenfalls nicht besonders schick aussieht, nutze ich ein weißes Baumwollhemd aus meinem Kleiderschrank-Altbestand. Alles Brüche in meinem Konzept, die ich nun beseitigen will.

Mein Ziel:

  • Trekkinghose und Jeans durch eine bequeme und stabile Hose aus einem Merinowolle-Kunstfaser-Mischgewebe ersetzen
  • Trekking-Hemd durch ein Hemd aus Merinowolle ersetzen

Es ist schwierig, funktionale Kleidung zu finden, die sowohl für sportlichen Freizeit- und Reisealltag, als auch stilvolle Geschäftsreisen tauglich ist. Fündig wurde ich schließlich über den Gear-Post von Tynan in den USA.

„Zu eng“ war das Ergebnis nach der Anprobe für die Hose. Nicht nur am Bund, sondern auch an den Beinen. Also zurück damit. Nachdem ich mit Makers&Riders die Rücksendung und Erstattung geklärt hatte, stand die Frage im Raum:

„Wie kann ich mir 18,03 Euro Zollgebühr und 31,97 Euro Einfuhrumsatzsteuer zurückerstatten lassen?“

Ich rufe bei der auf dem Abgabenbescheid aufgestempelten Telefonnummer an und erfahre vom Zollamt in Bad Hersfeld wie es funktioniert:

  1. Zollamt: Ich muss zum für mich örtlich zuständigen Zollamt fahren und die Sendung dort versiegeln lassen. Das ist laut der Dienststellensuche auf www.zoll.de im 15 Kilometer entfernten Erlangen. Auf dem Weg dorthin besorge ich mir beim Postamt einen großen Briefumschlag und einen internationalen Paketaufkleber. Beim Zoll angekommen, muss ich dem skeptischen Herrn zunächst nachweisen, dass die Hose, die ich zurück nach Amerika schicken will, tatsächlich die Hose ist, die ich bekommen habe. Es könnte ja auch eine Gebrauchte sein. Er kritisiert am Briefumschlag, dass ich diesen trotz Siegel theoretisch seitlich wieder aufmachen könne. Ich wende ein, dass ich die Hose auch in einem Briefumschlag bekommen habe. Der Herr vom Zoll bittet mich daraufhin, den internationalen Paketaufkleber auf den Umschlag zu kleben, worauf ich einwende, dass ich diesen laut Aufdruck erst bei Einlieferung bei der Post aufkleben soll. Ich klebe ihn dann doch auf, der Herr bindet liebevoll ein Schnürchen und eine Plombe an meine Sendung und händigt sie mir zusammen mit dem Vordruck „Postübernahmebestätigung“ aus.
  2. Post: Mit der versiegelten Sendung und der Postübernahmebestätigung fahre ich vom Zollamt zur Postfiliale um die Sendung regelkonform „unverzüglich und unverändert einzuliefern“. „Den Aufkleber hätten Sie noch nicht aufkleben dürfen,“ da muss ich noch was drauf drucken“, sagt der Herr in der Postfiliale. Also fülle ich den Paketaufkleber nochmal aus. Dann zahle ich das Porto, er nimmt die Sendung entgegen und macht Stempel, Unterschrift und drei Kreuzchen auf die Postübernahmebestätigung: „Sendung übernommen“, „Nämlichkeitsmittel nicht beeinträchtigt“ und „Sendung/Paketkarte ist mit den vorgeschriebenen Klebezetteln versehen.“
  3. Erstattungsantrag: Zu Hause lade ich mir beim Zoll den Vordruck 0223 (Antrag auf Erstattung) und das Zusatzblatt 0235 (nach Artikel 238 Zollkodex) aus dem Internet herunter. Dem Formular füge ich die Postübernahmebestätigung, den Einlieferungsbeleg, den Abgabenbescheid und die Quittung bei. 13 Seiten Papier schicke ich schließlich mit Angabe meiner Bankverbindung per Briefpost an das Zollamt Bad Hersfeld in Niederaula. Und warte nun auf die Erstattung.