Wie meine Reiselust wieder erwacht ist

Messner Mountain Museum MMM Dolomites, Dominik Sommerer, Dominiks Welt

Meine sommerliche Blogpause hat länger gedauert als geplant. Nach dem Umzug in das neue Basislager folgte ein arbeitsreicher September und ein toller Urlaub. Hier nun die neueste Episode mit den Neuigkeiten aus meiner Welt.

Umzug ins neue Basislager

Der Umzug von Nürnberg nach Heroldsberg hat gut geklappt. Es ist genau die von mir gewünschte Mischung zwischen Stadt- und Landleben. Es gibt hier vor Ort gute Einkaufsmöglichkeiten und leckere Restaurants. Mit dem Fahrrad erreiche ich in 45 Minuten die Nürnberger Innenstadt. Die Ruhe, der viele Platz und die frische Luft tun mir sehr gut. Ich fühle mich im neuen Basislager sehr wohl und wollte eigentlich gar nicht weg. Doch dann bin ich doch in Heroldsberg in den Zug gestiegen…

Innotrans

… und in Berlin Messe Süd wieder ausgestiegen. Alle zwei Jahre findet dort die Eisenbahn-Fachmesse Innotrans statt. Von Sitzen über Motoren, Fensterscheiben, Klimaanlagen bis hin zu Minibars kannst du dort alles kaufen wenn du gerne deinen eigenen Zug bauen möchtest. Alternativ kannst du bei den zahlreich vertretenen Fahrzeugherstellern fertige Lokomotiven, Wagen oder Triebwagen kaufen die im Freigelände ausgestellt sind. So gab es beispielsweise die neue Straßenbahn von München und die InterCity-Doppelstockzüge der Deutschen Bahn zu sehen. Wie schon vor zwei Jahren war ich auch dieses Jahr von den Neuerungen wenig begeistert. Aus zwei Gründen: Erstens hält der Trend an auf immer weniger Platz immer mehr Fahrgäste zu pferchen. Zweitens habe ich den Eindruck dass die Fahrzeuge immer schicker, jedoch zunehmend unbequemer werden. Reisekultur, Gemütlichkeit und Reisekomfort gehen beim Verkehrsmittel Bahn mehr und mehr verloren. Das gemütliche Abteil in dem man nachts das Licht dimmen konnte hat ausgedient. Heute reist man mit 80 Menschen mit schlechten Manieren in einem neonbeleuchteten Großraumwagen. Dass es auch anders geht zeigen Bahnunternehmen in Skandinavien, Osteuropa und Japan. Japan ist übrigens ein gutes Beispiel dafür wie man sich in Zügen rücksichtsvoll benehmen kann. Der Stand der Japan Rail East war der einzige Auftritt der mich wirklich begeistert hat. Japan hat einfach die beste Eisenbahn der Welt.

Von der Eroberung des Nutzlosen

Zur aussterbenden Reisekultur gehören auch die Nachtzüge. Mit einem solchen bin ich nach meinem zweitägigen Messebesuch weiter nach München gefahren. Dort habe ich mich mit meinem Freund Patrick getroffen. Am späten Vormittag erreichten wir nach einer dreistündigen Fahrt im gemütlichen 6er-Abteil des EuroCity die Stadt Bozen in Südtirol. Wir wollten uns dort die fünf MessnerMountainMuseen (MMM) von Reinhold Messer ansehen. Das ist nur im Juni und September möglich. Einige MMM im Gebirge schließen im Winter und MMM Juval schließt im Sommer wenn Reinhold Messner dort mit seiner Familie wohnt. Reinhold Messner, der als erster Mensch alle 14 Achttausender der Erde ohne künstlichen Sauerstoff bestiegen hat, bezeichnet die Museen als seinen 15. Achttausender und als sein schwierigstes Projekt. Patrick hatte nur am Wochenende Zeit und begleitete mich zum MMM Firmian und zu einer Wanderung auf den Ritten. Bei sonnigem Herbstwetter habe ich die Expedition zu den anderen vier MMM alleine fortgesetzt. Jeden Tag ein anderes Museum. Jedes Museum hat sein eigenes Thema: Berg und Mensch, Fels, Eis, Religion und Bergvölker. Doch alle Museen haben eines gemeinsam: Sie sind eine Symbiose aus Kunst, Kultur und Natur und diese Kombination macht den Reiz aus. Ich habe daran gezweifelt ob es sinnvoll ist für fünf Museen Urlaub zu nehmen, bis nach Südtirol zu fahren und hierfür viel Zeit und Geld auszugeben. Lohnt sich das? Reinhold Messner hat seine Bergtouren einmal so begründet: „Weil man hinaufsteigen kann.“ Wir versuchen heute sehr oft in allem ein Ziel oder einen Sinn zu sehen.

Die Eroberung des Nutzlosen hat sich für mich voll ausgezahlt. Hätte ich mir nicht das Ziel gesetzt alle fünf Museen zu besichtige wäre ich nicht über so landschaftlich tolle Passstraßen gefahren. Ich hätte keine Wanderungen zu Burgen gemacht. Nicht die wohltuenden Ausblicke genossen. Ich hätten nicht gesehen wie die Südtiroler Äpfel geerntet werden die ich nach dem Urlaub im Bioladen in Heroldsberg kaufen konnte. Nein, ich wäre im Büro oder zu Hause herum gesessen.

Nun ist meine Reiselust trotz des schönes Zuhauses wieder erwacht.

Drei Punkte haben dazu beigetragen:

  1. Ich habe wieder mal etwas Neues ausprobiert. Ich bin mit der Bahn an- und abgereist bin und habe mir vor Ort ein Auto gemietet. Diese Kombination kann ich wärmstens empfehlen. Ich habe die monotone Autobahnfahrt vermieden und war vor Ort mobil.
  2. Dadurch konnte ich mir ein Hotel außerhalb von des Stadtzentrums von Bozen mieten. Das war preisgünstiger und ruhiger. Ich hatte ein absolut geniales Hotel oberhalb des Eisacktales mit Blick auf Bozen
  3. Statt perlschnurartig von Ausflugsziel zu Ausflugsziel zu reisen habe ich mich dazu entschieden ein zentrales Basislager für den Urlaub zu wählen und von dort sternförmig Ausflüge zu machen. Die Fahrtstrecken waren dadurch zwar insgesamt länger. Dafür konnte ich jeden Tag im gleichen Bett schlafen und „zu Hause“ frühstücken und abendessen. Das brachte viel Ruhe in den Urlaub.

Ach ja:

Im Winter 2014/2015 öffnet das sechste Museum von Reinhold Messner. Das MMM Corones auf dem Kronplatz bei Bruneck.

Aufnahme des MMM Dolomites.