Aller Anfang ist schwer (Nürnberg – Moskau)

Moskau, staatliches historisches Museum, Dominik Sommerer, Dominiks Welt

Der Anfang war schwer und der größte Schritt war der Schritt aus der Tür. Mein Körper hat sich bis vor Abfahrt gewehrt und sich eine Erkältung zugezogen. Ich habe mich auf den nächsten kleinen Schritt konzentriert: den Fußweg zum Nürnberger Hauptbahnhof. Das war einfach. Mit der Methode bin ich nach zwei Nächten in einem russischen Schlafwagen am Montagvormittag in Moskau angekommen. Die Fahrt war sehr angenehm und entspannend weil ich ein Abteil für mich alleine hatte.

In Moskau wollte ich dann am Nachmittag mein gebuchtes Zimmer in einem Hostel beziehen. Die „Gemeinschaftsküche“ bestand aus einem Kühlschrank darauf platzierter Mikrowelle und das „helle schlicht eingerichtete Zimmer“ hatte kein Fenster. Das Argument der Angestellten „Windows are only on the Internet“ konterte ich mit „I want my money back!“ was die Dame nach mehrmaliger Wiederholung in zunehmender Lautstärke ausnahmsweise ohne Eingabe in den google-Translator verstanden hat. Ich fand schließlich zunächst für eine Nacht um 20 Uhr ein benutzbares und bezahlbares Einzelzimmer.

Das mit 110 Euro pro Nacht an sich viel zu teure Zimmer habe ich dann um zwei Nächte verlängert um ein nochmaliges Umziehen zu vermeiden. In Moskau kann man Hotelzimmer zu deutlich überdurchschnittlichen Preisen mit deutlich unterdurchschnittlicher Qualität erhalten.

Dafür sind neue Probleme aufgetaucht: Das Hotel konnte die Visa-Registrierung beim Meldeamt nicht vornehmen. Grund: Ich hatte an der Grenze von Polen zu Weißrussland auf der auszufüllenden Immigration Card als Ausreisedatum den 30.09.2013 angegeben. So steht das auch in meinem Visum für Weißrussland. Allerdings gilt die Immigration Card für Weißrussland und Russland.

So habe ich gestern viel telefoniert, gegoogelt und bin ergebnislos von Behörde zu Behörde gefahren. Ich habe Stadtteile gesehen wo man als Tourist normalerweise nicht hinfährt und mich durch das Labyrinth der Moskauer U-Bahn gekämpft. Beim Immigrationsamt meinte die Dame dann dass das gelte was im Visa stünde und sie mir keine neue Immigration Card ausstellen könne. Am späten Nachmittag hatte ich die Schnauze voll, bin ins Hotel gefahren und habe das Datum auf der Ausreisekarte selbst entsprechend meines Russland-Visum handschriftlich angepasst. Damit bin ich dann zur Rezeption: „What about my visa registration?“. Und die Dame drückt mir ohne die Immigration Card sehen zu wollen die Meldebescheinigung in die Hand. „You don’t need my immigration card? frage ich. „No“, sagt sie. „Aha“ denke ich und merke wie die Last von mir abfällt.

Heute konnte ich dann endlich an zwei interessanten Stadtführungen teilnehmen und den Kreml besuchen. Der rote Platz ist weitgehend gesperrt und es wird eine riesige Bühne aufgebaut. Am Wochenende findet in Moskau die Übergabe des olympischen Feuers für die Winterolympiade 2014 in Sotschi.

Ansonsten: 

  • Ich fühle ich mich in der Stadt sehr sicher und habe noch in keiner Stadt so viel Polizeipräsenz erlebt. Außer bei Bundesliga-Spielen…
  • Individuell, flexibel und alleine reisen ist sehr anstrengend

Wie geht’s weiter?

Morgen Abend um 21:35 Uhr beginnt meine Reise mit der Transibirischen Eisenbahn. Nach fünf Zeitzonen, 5185 Kilometern, vier Nächten und drei Tagen im Zug soll ich am Montag um 4:57 Uhr Ortszeit in Irkutsk ankommen. Die längste Zugfahrt meines Lebens. Ich bin schon sehr aufgeregt:

  • Ist das spannend oder entspannend?
  • Welche Mitreisenden habe ich im gebuchten Vierbettabteil?

4 Nächte will ich dann in Listwjanka am Baikalsee entspannen und dann weiter in die Mongolei reisen.

Aufnahme durch das Staatliche Historische Museum über den roten Platz zur Basilius Kathedrale in Moskau.